{"id":561,"date":"2017-06-07T11:25:35","date_gmt":"2017-06-07T09:25:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?p=561"},"modified":"2018-01-24T12:00:05","modified_gmt":"2018-01-24T11:00:05","slug":"bluthochzeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?p=561","title":{"rendered":"Bluthochzeit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=578\" rel=\"attachment wp-att-578\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/klein53.jpg\" alt=\"\" title=\"klein5\" width=\"99\" height=\"132\" class=\"alignnone size-full wp-image-578\" \/><\/a><br \/>\n(B\u00fchnenbild)<br \/>\nRegie: Brit Bartkowiak<br \/>\nKost\u00fcme: Julia Str\u00f6der<br \/>\nMusik: Adrian Sieber<br \/>\nPremiere: 13.05.2017<br \/>\nTheater W\u00fcrzburg<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=569\" rel=\"attachment wp-att-569\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut8.jpg\" alt=\"\" title=\"Blut8\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-569\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut8.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut8-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=562\" rel=\"attachment wp-att-562\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut1.jpg\" alt=\"\" title=\"Blut1\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-562\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut1.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut1-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=571\" rel=\"attachment wp-att-571\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut10.jpg\" alt=\"\" title=\"Blut10\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-571\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut10.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut10-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=567\" rel=\"attachment wp-att-567\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut6.jpg\" alt=\"\" title=\"Blut6\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-567\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut6.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut6-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=572\" rel=\"attachment wp-att-572\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut11.jpg\" alt=\"\" title=\"Blut11\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-572\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut11.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut11-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=568\" rel=\"attachment wp-att-568\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut7.jpg\" alt=\"\" title=\"Blut7\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-568\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut7.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Blut7-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n<strong>Nachtkritik<\/strong> 13.05.2017, von Christian Muggenthaler<\/p>\n<p><strong>Der Schmerz gewinnt immer<\/strong><\/p>\n<p>Brit Bartkowiaks figurenstarke Lorca-Inzenierung in W\u00fcrzburg<\/p>\n<p>Blutrache, starre Normen, strenger Katholizismus. Religion und Traditionen, die nicht f\u00fcr W\u00fcrde und Mitmenschlichkeit stehen, sondern f\u00fcr rituelle Hartherzigkeit und Scharfkantigkeit. Menschen, denen das Althergebrachte nicht zur m\u00f6glichen moralischen Leitplanke, sondern gleich zum Gef\u00e4ngnis wird. Und wenn eine einen Ausbruch wagt, einen Hauch Leidenschaft sp\u00fcrt oder gleich einen ganzen Sturm, dann reisst sie vielleicht kurz mal eine ganze Welt ein, aber selbst deren Ruinen sind noch viel kr\u00e4ftiger als sie und tun weh. Auf jeden Fall gewinnt immer der Schmerz.<\/p>\n<p>Gez\u00fcchtete Mutter-Rache<br \/>\nEs ist eine archaische Welt, von der Federico Garcia Lorca in seinem St\u00fcck &#8222;Bluthochzeit&#8220; erz\u00e4hlt, eine d\u00f6rfliche Welt aus seinem heimatlichen Granada der 1930er Jahre, aber es ist auch eine zeitlos menschliche, obzwar eine mehr unmenschliche als mitmenschliche. Diese Menschenkraft, diese Menschenwucht l\u00e4sst sich jetzt ersp\u00fcren in Brit Bartkowiaks dynamischer, fein durchrhythmisierter, figurenstarker und dichter Inszenierung des Stoffs am Mainfrankentheater W\u00fcrzburg. Die Geschichte um eine Braut, die am Tag ihrer Hochzeit lieber dem verliebten armen Teufel Leonardo als dem reichen, braven Br\u00e4utigam folgt und auf diese Weise gro\u00dfes Ungl\u00fcck ausl\u00f6st, dehnt und reckt sich auf dieser B\u00fchne h\u00f6chst ansehnlich und eindringlich.<br \/>\nDenn schnell wird klar, dass hinter dem Alltag Monster hausen, sich das Jenseits in alptraumhafter Nachbarschaft zum Diesseits erstreckt. Die Mutter des Br\u00e4utigams z\u00fcchtet ihren Hass, weil jene Familie, der auch der verd\u00e4chtige Leonardo entstammt, ihren Mann und einen ihrer beiden S\u00f6hne ermordet hatte. Aus einem mit Hass und Blut und Jenseitsrache ged\u00fcngten Boden aber kann nichts Gutes werden. Die B\u00fchne (von Hella Prokoph) unterstreicht ebenso einfach wie bildstark diese Doppelb\u00f6digkeit, indem ein Lattenzaun die B\u00fchne durchschneidet, vor der das Geschehen sich abspielt, hinter dem jedoch sehr pr\u00e4sent und sichtbar der Tod sein Reich hat.<\/p>\n<p>Bittere Polonaise<br \/>\nIm schlussendlichen dritten Akt, in der Jagd nach der Braut und ihrem Entf\u00fchrer, f\u00e4llt die Wand. Menschen verirren sich in dieses Totenreich und m\u00fcssen sterben, leiden. Hier erreicht das Geschehen seinen endg\u00fcltigen, kr\u00e4ftigen Blutpuls. Aber da rast nichts wild und exzentrisch, sondern flirrt in streng akzentuiertem Atem: Alles Geschehen wirkt hoch konzentriert zusammen, um den Text zu entdecken, seine brutale Bitterkeit und zugleich seine milde Menschlichkeit. Adrian Siebers am B\u00fchnenrand gespielte elektrische Gitarre setzt rhythmische Zeichen, die Kost\u00fcme von Julia Str\u00f6der halten das Gleichgewicht zwischen alt-spanischen Ankl\u00e4ngen und heutigem Gepr\u00e4ge, und die Darsteller zeigen \u00fcberzeugend durchstrukturierte, klare Figuren.<br \/>\nDas beginnt bei Anja Br\u00fcnglinghaus als Mutter, die in aristokratischer Strenge als Glucke des Ungl\u00fccks firmiert. Bastian Beyer ist ihr Sohn: brav, bieder, lieb, aber erst als Rachs\u00fcchtiger kommt er praktisch bei sich selbst an. Helene Blechinger ist eine Braut, die immer aufrecht ihren Gang geht, auch wenn er ihr selbst wom\u00f6glich ein R\u00e4tsel bleibt. Sehr in den Mittelpunkt \u2013 als einzige Figur reiner Mitmenschlichkeit im St\u00fcck sinnvoller Weise \u2013 spielt sich Lea Sophie Salfeld als Dienstm\u00e4dchen, sie gewinnt ihrer Rolle in all der Tragik auch komische Seiten ab. Martin Liema als unverdrossener Leonardo, Hannah Walther als dessen seelisch zerschrundete Frau, Maria Brendel als leidenschaftliche Hiobsbotschafterin und Meinolf Steiner als fast ein bisschen spleeniger Brautvater vervollst\u00e4ndigen ein Ensemble, das einen kraftvollen Abend garantiert.<\/p>\n<p><strong>Main-Echo<\/strong>, 16.05.2017 <\/p>\n<p><strong>Stunde der Rache <\/strong><\/p>\n<p>Wieder ist die Stunde des Blutes gekommen. Zwei Parteien. \u201eIch mit den Meinen, Du mit den Deinen\u201c, spricht die Mutter mit Grabesstimme und Hassfunkeln in den Au\u00adgen. F\u00fcr sie ist es der unab\u00e4nderliche Lauf der Dinge. Zu tief eingebrannt hat sich der Wunsch nach Rache, zu festgefahren sind die gesellschaftlichen Strukturen. Wie im Italo-Western begleitet Gitarrist Adrian Siebers das B\u00fchnengeschehen mit melodramatischen Klangteppichen, die sich zwischen scheinbarer Hochzeitsidylle und archaischen Gef\u00fchlen bewegen.<br \/>\nMit der Trag\u00f6die \u00bbBluthochzeit\u00ab von Federica Garcia Lorca (1898 bis 1936) ist am Mainfranken-Theater W\u00fcrzburg nun das letzte Schauspiel der Spielzeit zu sehen. Das Publikum erlebt in Regie von Brit Bartkowiak 90 dichte Minuten, die sich um den Zwang der Konventionen, um den Drang nach freiheitlicher Entscheidung und um die Frage drehen, wie weit Menschen bereit sind, zu gehen.<br \/>\nAngesiedelt hatte Lorca sein St\u00fcck im l\u00e4ndlichen Andalusien zu Beginn des 20. Jahrhunderts und viel Autobiografisches verarbeitet: Aufgewachsen in einer spanischen Provinzstadt war er selbst konfrontiert mit eingefahrenen Gesellschaftsstrukturen und Traditionen. <\/p>\n<p>Grenzen individueller Freiheit<br \/>\nAuch er geriet an die Grenzen der individuellen Freiheit, machte seine homosexuelle Neigung erst sp\u00e4t \u00f6ffentlich. Die Inspiration zu \u00bbBluthochzeit\u00ab lieferte Lorca ein Mordfall in der Provinz Almeria. Auch hier war eine Braut am Hochzeitstag mit dem Geliebten vor dem Br\u00e4utigam gefl\u00fcchtet. \u00bbBluthochzeit\u00ab erz\u00e4hlt nun diesen Konflikt zweier Liebender vor dem Hintergrund einer Blutfehde der Familien.<br \/>\nBartkowiak inszeniert, fein dosiert, in der effektreichen \u00c4sthetik eines ltalo-Westerns. Die Liebenden schwelgen in Zeitlupe. W\u00e4hrend sich das echte Szenario an die Kameraeinstellung der Supertotalen anlehnt, sieht man im gefilmten Hintergrund das Paar in schwarz-wei\u00dfer Nahaufnahme. Das B\u00fchnenbild teilt die Szenerie durch einen hohen Holzzaun. Davor spielt sich das reale Leben der Protagonisten wie inszeniert ab. Dahinter blitzen immer wieder die archaischen Gef\u00fchle, die Ur\u00e4ngste wie b\u00f6se Geister auf.<br \/>\nDann &#8211; mit der Stunde des Blutes, als der Hass siegt &#8211; rei\u00dfen die Akteure den Zaun ein und schreiten wie uralte Gestalten ins neblige Schwarz und eine andere, archaische Zeit, um Blutrache zu fordern.<br \/>\nGelungene Interpretation<br \/>\nDas B\u00fchnengeschehen tragen vor allem die Frauen. Helene Blechinger zeichnet als Braut sehr feinf\u00fchlig das Bild einer Frau, die zwischen Vernunft und Emotion zerrissen wird, die zwischen dem Drang nach Freiheit und konventionellen Zw\u00e4ngen untergeht. Als hervorragende Besetzung erweist sich Anja Br\u00fcnglinghaus als Mutter, die fast schon schizophren anmutend ihren Hass zu unterdr\u00fccken versucht. F\u00fcr einige humorvolle Momente sorgt Lea Sophie Salfeld als Dienstm\u00e4dchen und Vertraute der Braut. Gleichzeitig hochemotional: ihre Version des Songs \u00bbMad world\u00ab. Bluthochzeit\u00ab ist eine gelungene, sehr zeitgem\u00e4\u00dfe Interpretation der Lorca-Trag\u00f6die. Mit gut dosierter Effektdichte erschafft sie ein Sinneserlebnis, l\u00e4sst das Publikum 90 Minuten den Atem anhalten und konzentriert sich auf zeitgem\u00e4\u00df-zeitlose Fragen. Gute Abendunterhaltung mit Niveau. <\/p>\n<p><strong>Fr\u00e4nkische Nachrichten<\/strong>, 18.05.2017 <\/p>\n<p><strong>Zwischen Gef\u00fchl und Vernunft<\/strong> <\/p>\n<p>Hinter mannshohen Holzpalisaden sind schattenhaft die Umrisse von vorbeiziehenden, gebetsm\u00fchlenartig das &#8222;Ave Maria&#8220; wiederholenden Prozessionsteilnehmern zu sehen. Im d\u00fcsteren Licht auf einer kargen B\u00fchne stehen auf dem mit Holzschnitzeln bedeckten<br \/>\nB\u00fchnenboden zwei einsame Klappst\u00fchle. Mit diesem Eingangsbild beginnt am Mainfranken Theater W\u00fcrzburg Federico Garda Lorcas Trag\u00f6die &#8222;Bluthochzeit&#8220;, die 1933 in Madrid uraufgef\u00fchrt wurde. <\/p>\n<p>Restriktive Moral<br \/>\nAngeregt wurde der Autor zu diesem ersten St\u00fcck einer sogenannten Bauerntrilogie durch den Zeitungsbericht \u00fcber eine Hochzeitsgesellschaft, die auf der Suche nach der verschwundenen Braut auf die Leiche deren Vetters stie\u00df. Lorcas Theaterst\u00fcck, das in der Franco-Diktatur nicht mehr aufgef\u00fchrt werden durfte, eroberte nach der Auff\u00fchrung 1944 in Z\u00fcrich vor allem die deutschsprachigen B\u00fchnen.<br \/>\nWie in den beiden anderen St\u00fccken geht es um die Stellung der Frau im l\u00e4ndlichen Spanien der 30er Jahre, den Widerspruch zwischen Gef\u00fchl und Vernunft sowie zwischen der freien Selbstbestimmung und der traditionell restriktiven Moral. Erz\u00e4hlt wird die Geschichte einer jungen Braut, die sich auf einem abgelegenen Weingut im kargen Andalusien gegen eine traditionell arrangierte Ehe wendet, am Hochzeitstag mit ihrem fr\u00fcheren Verlobten Leonardo flieht, obwohl dieser schon Frau und Kind hat.<br \/>\nDamit entflammt sie eine alte Fehde der Familien aufs Neue. Denn Leonardo ist ein Sohn der Familie Felix, die von der Mutter des Br\u00e4utigams f\u00fcr den Tod ihres Mannes und des zweiten Sohnes bei einer Blutrache verantwortlich gemacht wird. Als die Flucht entdeckt wird, endet das Hochzeitsfest im Chaos. Der Br\u00e4utigam verfolgt mit Helfern die Fl\u00fcchtigen. Im Zweikampf kommen er und Leonardo ums Leben. Zur\u00fcckbleiben untr\u00f6stliche Familien.<br \/>\nDen st\u00e4rksten Eindruck hinterl\u00e4sst in der W\u00fcrzburger Inszenierung Anja Br\u00fcnglinghaus als besorgte Mutter, die im ersten Bild unvers\u00f6hnlich ihren Hass auf die M\u00f6rder ihres Mannes und Sohnes artikuliert, die nach Messerstichen starben. Mit ihrer Wut auf das Messer als m\u00e4nnliches Mordinstrument beginnt das St\u00fcck und endet auch mit der t\u00f6dlichen Messerstecherei zwischen ihrem Sohn und Leonardo. Schon ihre K\u00f6rperhaltung verr\u00e4t die stolze B\u00e4uerin, die den Lebensraum der Frau im Hause sieht; geradezu derb unterzieht sie ihre k\u00fcnftige Schwiegertochter einer Pr\u00fcfung. Ihre Skepsis \u00e4u\u00dfert sie unverhohlen, will aber dem Gl\u00fcck ihres Sohnes nicht im Wege stehen.<br \/>\nDoch dem Standesdenken bleibt sie verhaftet. Bastian Bayer verk\u00f6rpert den t\u00fcchtigen, aber farblosen und in Liebesdingen unerfahrenen Sohn mit nachvollziehbarer Reserviertheit, die mit der Flucht seiner Frau in Aggressivit\u00e4t und Rachegel\u00fcsten umschl\u00e4gt. Bauernschl\u00e4ue und die Redlichkeit eines harten Arbeiters, der es zu Wohlstand gebracht hat, vermittelt Meinolf Steiner als Vater der Braut.<br \/>\nRecht undeutlich gezeichnet wirkt die Rolle der Braut, die Helene Blechinger mit unterdr\u00fcckter Emotionalit\u00e4t spielt, als sei sie st\u00e4ndig auf der Flucht. Eine starke Geste ist der Wegwurf der ihr angesteckten Orangenbl\u00fcte beim Ankleiden vor der Hochzeit. <\/p>\n<p>Starke Frauenfiguren<br \/>\nLorca l\u00e4sst ausnahmslos die Frauenfiguren stark erscheinen; so werden Hannah Walther als Dienstm\u00e4dchen mit einem Schuss Komik, Lea Sophie Salfeld als Leonardos Frau mit Kleinkind und vor allem Maria Brendel als redselige und besorgte Nachbarin mit ihren sympathischen Auftritten fast schon zu Identifikationsfiguren, die man sonst im St\u00fcck vergeblich sucht. Regisseurin Brit Bartkowiak r\u00fcckt schn\u00f6rkellos mit nur acht Schauspielern ohne allegorische Figuren wie den Tod als Bettler oder den personifizierten Mond ganz die Hochzeitsfeier in den Mittelpunkt. Ohne die surrealen Elemente wird die Inszenierung der poetischen Qualit\u00e4t des St\u00fccks jedoch nicht ganz gerecht. Umso eindringlicher wird daf\u00fcr das Drama einer unerf\u00fcllten Liebe vor Augen gef\u00fchrt, die an den Mauern der herrschenden Moral, den Konventionen einer l\u00e4ndlichen Bauerngesellschaft und der sexuellen Fremdbestimmung zerschellt. Starke Momente sind die das Unheil l\u00e4ngst verk\u00fcndenden makabren Hochzeitst\u00e4nze mit Totenkopf-Masken, der Fall der Palisadenwand als Auftakt zur Treibjagd auf die Gefl\u00fcchteten und der Scheiterhaufen. Statt im zeitlosen B\u00fchnenbild von Hella Prokoph oder den Kost\u00fcmen von Julia Str\u00f6der wird das l\u00e4ndliche Spanien wirkungsvoll von Adrian Siebers mit traditioneller spanischer Folkloremusik imaginiert. Das Premierenpublikum zeigte sich angetan und applaudierte allen Mitwirkenden ohne Einschr\u00e4nkung. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(B\u00fchnenbild) Regie: Brit Bartkowiak Kost\u00fcme: Julia Str\u00f6der Musik: Adrian Sieber Premiere: 13.05.2017 Theater W\u00fcrzburg<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/561"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=561"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/561\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=561"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=561"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=561"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}<!-- WP Super Cache is installed but broken. 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