{"id":538,"date":"2016-01-19T22:04:28","date_gmt":"2016-01-19T21:04:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?p=538"},"modified":"2017-06-13T10:12:48","modified_gmt":"2017-06-13T08:12:48","slug":"winterreise","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?p=538","title":{"rendered":"Schuberts Winterreise"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=544\" rel=\"attachment wp-att-544\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE_01_0541-klein.jpg\" alt=\"\" title=\"WINTERREISE_01_0541 klein\" width=\"99\" height=\"132\" class=\"alignnone size-full wp-image-544\" \/><\/a><br \/>\n(B\u00fchnen- und Kost\u00fcmbild)<br \/>\nEine komponierte Interpretation von Hans Zender, Musikalische Leitung: Robert Reimer<br \/>\nInszenierung: Jasmina Hadziahmetovic, Video: Frieder Aurin<br \/>\nGrand Th\u00e9\u00e2tre Luxemburg<br \/>\nPremiere: 19.01.2016<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=532\" rel=\"attachment wp-att-532\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-04.jpg\" alt=\"\" title=\"WINTERREISE 04\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-532\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-04.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-04-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=529\" rel=\"attachment wp-att-529\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-01.jpg\" alt=\"\" title=\"WINTERREISE 01\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-529\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-01.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-01-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=531\" rel=\"attachment wp-att-531\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-03.jpg\" alt=\"\" title=\"WINTERREISE 03\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-531\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-03.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-03-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=533\" rel=\"attachment wp-att-533\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-05.jpg\" alt=\"\" title=\"WINTERREISE 05\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-533\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-05.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-05-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=536\" rel=\"attachment wp-att-536\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-08.jpg\" alt=\"\" title=\"WINTERREISE 08\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-536\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-08.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-08-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><br \/>\n<\/a><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=530\" rel=\"attachment wp-att-530\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-02.jpg\" alt=\"\" title=\"WINTERREISE 02\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-530\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-02.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/WINTERREISE-02-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n<strong>Frankfurter Allgemeine<\/strong>, 22.01.2016 von Jan Brachmann<\/p>\n<p><strong>Mit dem Leiermann zur\u00fcck ins Leben<\/strong> <\/p>\n<p>In Coburg und Luxemburg wird die \u201eWinterreise&#8220; von Hans Zender nach Franz Schubert szenisch gedeutet<\/p>\n<p>Schartig-zart schabt der Bogen \u00fcber die Saiten, nah am Steg: Dieser Lindenbaum ist ratzekahl, als die kalten Winde dem Winterwanderer die Wangen gerben. Roland Kluttig, Generalmusikdirektor am Landestheater Coburg und einer der f\u00e4higsten Dirigenten, die unsere Republik zu bieten hat, malt mit seinem hellwachen, schlafwandlerisch sicheren Orchester keine Bilder. Er zeichnet sie. Mit spitzem Stift: fein, scharf, exakt. Das gespenstische Ge\u00e4st des Lindenbaums. Zuvor schon die schlundigen Strudel wirbelnder Flocken in den Klarinetten der \u201eErstarrung&#8220;. Da sucht der Wanderer nicht nur im Schnee vergebens nach seiner Liebsten Spur. Da zieht ihn ein Mahlstrom in die Tiefe. \u201eKomm unter meine Decke&#8220;, gurgelt der Schnee, dieser wei\u00dflich-weiche Verf\u00fchrer. Nichts ist grell, bullig, roh an der Musik in Coburg, auch die j\u00e4hen elektronischen Verst\u00e4rkungen der Stimme von David Zimmer nicht. Aber alles sitzt. Die Zeichen stimmen: die Lebensschrammen der Kl\u00e4nge tragen die richtigen Herkunftsnachweise.<br \/>\nMusikalisch wird durch Kluttigs Dirigat sofort plausibel. warum Hans Zenders \u201ekomponierte Interpretation&#8220; des Liederzyklus \u201eDie Winterreise\u201c von Franz Schubert seit ihrer Entstehung 1993 zum Erfolgsst\u00fcck geworden ist. Nicht, weil sie gegen \u201eFrack und Fl\u00fcgel als fragw\u00fcrdige Darbietungsform&#8220; radikaler Au\u00dfenseitererfahrungen zu Felde zieht. An solchen \u00c4u\u00dferlichkeiten den Rang und die Angemessenheit einer Interpretation festmachen zu wollen w\u00e4re reichlich kunstfern und d\u00fcnkelhaft. Durchgesetzt haben das St\u00fcck vielmehr Zenders orchestrale Virtuosit\u00e4t und Phantasie.<br \/>\nSie bringen explizite Klangbilder f\u00fcr das hervor, was das Publikum seit Jahren schon innerlich sah, wenn es die originale Fassung Schuberts f\u00fcr Stimme und Klavier h\u00f6rte. Mehrere Tanztheaterversionen dieser \u201eWinterreise&#8220; hat bereits gegeben: von Heidrun Schwaarz, Hans Henning Paar und John Neumeier; im Klavieroriginal oder im Streichquartett-Arrangement regte der Zyklus Regisseure wie Herben Wernicke, Michael Thalheimer oder Christian Marien-Molnar zu Musiktheaterabenden an. Aber szenische Umsetzungen von Zenders Fassung f\u00fcr einen singenden Protagonisten suchte man bislang vergebens. <\/p>\n<p>V\u00f6llig unabh\u00e4ngig voneinander, nur im Abstand von drei Tagen, kamen jetzt zwei h\u00f6chst unterschiedliche Sichtweisen auf die B\u00fchne: am Landestheater Coburg, inszeniert vom dortigen Intendanten Bodo Busse, und am Grand Theatre Luxembourg, inszeniert von Jasmina Hadziahmetovic. Busse gibt in Coburg dem jungen Tenor David Zimmer drei stumme Protagonisten zur Seite: einen Doppelg\u00e4nger (Dominik Tippelt), einen \u00e4lteren Mann (Manfred V\u00f6lk) und eine \u00e4ltere Frau (Christa Fedder). Er braucht diese drei Mitmenschen, um zu zeigen, dass der Winterwanderer seinen Weg ins Abseits selbst w\u00e4hlt. Barsch weist er die Zuwendung der anderen zur\u00fcck. Seine Wanderung ist eher romantisch-autonomer Entwurf als Erfahrung fremdbestimmter Geworfenheit. Mit seinem b\u00fcrgerlich-vern\u00fcnftigen Doppelg\u00e4nger ringt er. Die \u00e4ltere Frau und der \u00e4ltere Mann k\u00f6nnten f\u00fcr die Eltern stehen, die ihrem Sohn die Zuwendung nicht zur rechten Zeit schenkten. Zugleich aber steht die \u00e4ltere Frau -Christa Fedder war T\u00e4nzerin- sie ist jetzt sechsundachtzig Jahre alt &#8211; auch f\u00fcr die verlassene Geliebte des Wanderers. Im \u201eFr\u00fchlingstraum&#8220; tanzt sie mit hinrei\u00dfendem Leuchten im Gesicht einen Walzer voll froher Erwartung, die sich nicht erf\u00fcllen wird, Der Wanderer l\u00e4sst sie sitzen. Die B\u00fchne von Karlheinz Beer mit kahlen B\u00e4umen, Tisch, St\u00fchlen und -auch das noch- einem K\u00fchlschrank unter freiem Himmel wendet romantische Bilder ins Surreale und spielt so mit dem ineinander von Innerlichkeit und Unbehaustheit in diesem Zyklus.<br \/>\nIn Luxemburg hat sich Jasmine Hadziahmetovic von Hella Prokoph einen klinisch wei\u00dfen Bungalow aus Blechlamellenw\u00e4nden bauen lassen. Mittendrin ein Bett, in dem Julian Pregardien das erste Lied -\u201eGute Nacht&#8216;- liegend, im Schlaf zuckend, singt. Er bleibt als Darsteller ganz allein. Video-Projektionen von Frieder Aurin versetzen den S\u00e4nger beim \u201eLindenbaum&#8216; auf eine Gro\u00dfstadtkreuzung, Autolichter gleiten \u00fcber nassen Asphalt: \u201eNun bin ich manche Stunde entfernt von jenem Ort.&#8220; Und wenn es im Lied \u201eIm Dorfe&#8220; von den Menschen hei\u00dft: \u201eTr\u00e4umen sie manches, was sie nicht haben, tun sich im Guten und Argen erlaben&#8216;, sieht man die Massen mit Einkaufst\u00fcten vordem Kaufhaus am Berliner Alexanderplatz. An die Stelle romantisch-l\u00e4ndlicher Klischees von Hunden, Kr\u00e4hen und B\u00e4umen treten nun modern-urbane, allerdings mit stilsicherem Chic ins Bild gesetzt. Verbl\u00fcffenden Witz gibt es auch. Zur Zeile \u201eDer Reif hat einen wei\u00dfen Schein mir \u00fcbers Haar gestreuet&#8220; setzt sich Pregardien den Brautschleier der verflossenen Geliebten auf, den er dann zum Gesang der \u201eKr\u00e4he\u201c zerrupft. Der T\u00fcll fliegt wie Federflaum.<br \/>\nCharakterfest, konditionsstark und geradlinig singt David Zimmer in Coburg. Julian Pregardien in Luxemburg wirkt dagegen wandlungsreicher. Sch\u00f6ne, s\u00fc\u00dfe Phrasen gelingen ihm genauso wie ein ersterbendes Fl\u00fcstern im Liegen. Eine Strophe im Lied \u201eAuf dem Flusse\u201c singt er als Pop-Song mit l\u00e4ssigem Fingerschnipsen im Off-Beat. Allerdings ist das Zusammenspiel innerhalb der Deutschen Radio Philharmonie Saarbr\u00fccken-Kaiserslautern unter der Leitung von Robert Reimer nicht immer ganz genau. Und das Solohorn in der \u201eWasserflut&#8220; liegt so konsequent neben dem Ton, dass man hier gestalterische Absicht vermuten m\u00f6chte. Kluttig in Coburg hat solche groben Mittel zur Beschreibung des besch\u00e4digten Lebens allerdings nicht n\u00f6tig.<br \/>\nAls Regisseur erfasst Busse das nonlineare Erz\u00e4hlen der \u201eWinterreise&#8220; mit ihren biographischen Vor- und R\u00fcckblenden sehr sch\u00f6n, l\u00e4sst aber den Abend ins russische Roulette mit dem Trommelrevolver m\u00fcnden, was eher traditionelle Erwartungen erf\u00fcllt.<br \/>\nHadziahmetovic, weniger romantisch in ihrer metropolitanen Bilderwelt, spitzt den Abend zielstrebig auf das Grab im eigenen Bett zu, \u00fcberrascht dann jedoch mit ihrer Schlusspointe: Zum \u201eLeiermann&#8220; verschmilzt Pregardien mit dem Schatten seines Doppelg\u00e4ngers. Er \u00fcberwindet seine Todessehnsucht und findet -singend- den Ausweg ins Leben. Die Produktion wandert sp\u00e4ter an die Opera Comique nach Paris. <\/p>\n<p><strong>Das Opernglas<\/strong>, 19.Januar 2016 von M. Fiedler<\/p>\n<p><strong>Winterreise<\/strong><\/p>\n<p>Orchesterfassungen von Schu\u00adbert-Liedern sind keine Seltenheit. Die bekanntesten sind wohl die von Max Reger, aber auch Franz Liszt, Johannes Brahms, Hector Berlioz und Anton Webern haben mehrere Lieder von Franz Schubert orchestriert. An die \u00bbWinterreise\u00ab als geschlossenen Zyklus aber hatte sich kein Komponist heran\u00adgewagt, bis 1993 Hans Zender sei\u00adne \u201ekomponierte Interpretation&#8220; des Liederabendes herausbrach\u00adte, uraufgef\u00fchrt in Frankfurt am Main vom Ensemble Modern und Christoph Pregardien. Zenders Fassung l\u00e4sst den Gesangspart \u00fcberwiegend unangetastet, verar\u00adbeitet die Klavierstimme allerdings zu einem schillernden Orchester\u00adpart, der sich sehr schnell in den Konzerth\u00e4usern etabliert hat und heute selbst Puristen begeistert.<br \/>\nEs liegt nahe, dass eine solche Orchesterfassung besonders bei szenischen Umsetzungen auf das Interesse der Theaterb\u00fchnen st\u00f6\u00dft. Interessanterweise kamen Mitte Januar innerhalb von einer halben Woche gleich zwei unab\u00adh\u00e4ngige szenische Produktionen der \u00bbWinterreise\u00ab heraus, die bei\u00adde auf die Zender-Fassung zur\u00fcck\u00adgriffen. Das Landestheater Coburg zeigte die Neuinszenierung seines Hausherrn Bodo Busse mit Roland Kluttig am Pult. In Luxemburg feier\u00adte am Gro\u00dfen Theater die Produk\u00adtion der in Deutschland lebenden Bosnierin Jasmina Hadziahmeto\u00advic Premiere &#8211; eine Koprodukti\u00adon mit dem K\u00f6niglichen Theater in Kopenhagen und der Pariser Opera Comique. Das Stadtthea\u00adter Luxemburg hatte zwei Monate zuvor bereits William Kentridges Sicht der\u00bbWinterreise\u00ab als \u201eTrio f\u00fcr S\u00e4nger, Pianist und Filmprojektor&#8220; mit Matthias Goerne und Markus Hinterh\u00e4user gezeigt.<br \/>\nDie neue Zender-\u00bbWinterreise\u00ab spielt im steril wei\u00dfen Einheits\u00adb\u00fchnenbild von Hella Prokoph: einem Bungalov, dessen W\u00e4nde sich mit Hilfe von Jalousien belie\u00adbig \u00f6ffnen und schlie\u00dfen k\u00f6nnen. Darin befindet sich eine Liegefl\u00e4\u00adche, die sich mal in ein Bett, mal in ein Grab verwandeln l\u00e4sst. Jasmi\u00adna Hadziahmetovics Inszenierung ist die Geschichte eines Mannes, der sich nach dem Verlust seiner Geliebten in der Wirklichkeit nicht mehr zurechtfindet. Er fl\u00fcchtet &#8211; in die Phantasie, die Tr\u00e4umerei, die Sehnsucht, vor allem in die Einsamkeit. Einen echten Linden\u00adbaum gibt es auf der kahlen B\u00fchne, die den Mann immer wieder mit ihren hoch- und runterfahrbaren Lamellen in die Enge treibt, nicht. Stattdessen versetzt ihn der Video-\u00adK\u00fcnstler Frieder Aurin in den Ver\u00adkehr einer anonymen Gro\u00dfstadt. Die Produktion schwankt zwischen krudem Realismus und sensibler Poesie. Von Totenlichtern gef\u00fchrt (,,Auf einen Totenacker, hat mich mein Weg gebracht&#8220;), findet die Figur schlie\u00dflich den Weg zum wunderlichen alten Leiermann und somit aus dem Bungalow hinaus. Schuberts Lieder sind, jedes f\u00fcr sich, in- sich geschlossene Minia\u00adturdramen, und doch gewinnt der Zyklus mit Hilfe dieser gef\u00fchlvol\u00adlen Inszenierung sehr schnell an Konturen.<br \/>\nAuf der B\u00fchne agiert Julian Pregardien, interessanterweise der Sohn des S\u00e4ngers der Urauf\u00adf\u00fchrung. Sein Vortrag ist stilvoll und kultiviert; sorgf\u00e4ltig erf\u00fcllt er jede Phrase der einze]nen Lieder mit Sinn und Tiefgang. Die Stim\u00adme f\u00fcgt sich ein in den Hand\u00adlungsstrang, wirkt hier weich und sch\u00fcchtern, dort entschlossen und ausdrucksvoll. Dank der vielen Nuancen, die den Gesang des Tenors durchziehen, gewinnt die interpretierte Figur stark an Profi! und Glaubw\u00fcrdigkeit.<br \/>\nHinter dem B\u00fchnenbild ist das Orchester platziert: die Deutsche Radio Philharmonie Saarbr\u00fccken Kaiserslautern. Zwischen 1971 und 1984 war Hans Zender selbst Chef\u00addirigent des Vorg\u00e4nger-Klangk\u00f6r\u00adpers &#8211; des Rundfunk-Sinfonieor\u00adchesters Saarbr\u00fccken &#8211; gewesen. Nun steht Robert Reimer am Pult, dem es gelingt, die Partitur mit all ihren Feinheiten, ihrer Rhythmik und Virtuosit\u00e4t zum Ausdruck zu bringen, ohne auf unangebrachtes Pathos zur\u00fcckzugreifen. Ein gro\u00dfer Erfolg f\u00fcr das gesamte Team, vor allem aber f\u00fcr Julian Pregardien. <\/p>\n<p><strong>Luxemburger Wort<\/strong>, 22.01.2016 von Isabelle Tr\u00fcb<\/p>\n<p><strong>Une \u00abWinterreise\u00bb innovante<\/strong><\/p>\n<p>Un nombreux public s&#8217;est donn\u00e9 rendez-vous au Studio du Grand Theatre, mardi et mercredi soir derniers, \u00e0 l&#8217;occasion de la cr\u00e9ation d&#8217;une version pour t\u00e9nor et orchestre, sign\u00e9e Hans leader, du c\u00e9l\u00e8bre cycle de 24 lieder \u00abDie Winterreise\u00bb, de Franz Schubert. Le jeune t\u00e9nor allemand, Julian Pr\u00e9gardien, y a tenu le r\u00e2le du voyageur, accompagn\u00e9 par un imposant ensemble instrumental compos\u00e9 de membres de l&#8217;orchestre \u201eDeutsche Radio Philharmonie Saarbr\u00fccken-Kaiserslautern\u201c, sous la direction de Robert Reimer.<br \/>\nAlors que les musiciens et leur chef  &#8211; install\u00e9s derri\u00e8re la sc\u00e8ne proprement dite- , restaient omnipr\u00e9sents du point de vue acoustique, ruais la plupart du temps dissimul\u00e9s aux regards des spectateurs, le chanteur a \u00e9volu\u00e9 sur une spacieuse estrade blanche, sur laquelle tr\u00f4nait un socle qui, servant tout d&#8217;abord de lit, s&#8217;est transform\u00e9 en sombre tombeau. Au-dessus de cet astucieux plateau \u00e0 la d\u00e9coration sobre, un plafond discret abritait un syst\u00e8me ing\u00e9nieux de stores \u00e0 lamelles r\u00e9glables qui, tout en d\u00e9limitant physiquement l&#8217;espace sc\u00e9nique, ont permis de multiples effets visuels et ont servi de support id\u00e9al pour la projection de vid\u00e9os et les jeux d&#8217;ombres. <\/p>\n<p>Une imagination d\u00e9bordante, une \u00e9criture \u00e9pur\u00e9e<br \/>\nFace \u00e0 la partition originale de Schubert, dont l&#8217;\u00e9criture reste somme toute assez \u00e9pur\u00e9e et transparente, Hans Zender a fait preuve d&#8217;une imagination d\u00e9bordante, allant jusqu&#8217;\u00e0 priver te chanteur de m\u00e9lodie, le contraignant par moments \u00e0 d\u00e9clamer son texte, confiant ta phrase musicale \u00e0 un instrument. Zender s&#8217;est plu \u00e0 aligner un accompagnement orchestral d&#8217;une vari\u00e9t\u00e9 \u00e9tonnante, cr\u00e9ant des associations de timbres parfois pr\u00e9-visibles (cor, trompette, bois,<br \/>\nharpe, cordes), parfois totalement inattendues (percussions, m\u00e9lodica, accord\u00e9on\u2026), \u00e9vitant toutefois soigneusement de faire intervenir le piano, instrument de pr\u00e9dilection  de Schubert. De nombreux ajouts musicaux ont \u00e9t\u00e9 propos\u00e9s, que ce soit sous forme d&#8217;introduction au cycle, de ponts sonores entre les atmosph\u00e8res des diff\u00e9rentes chansons, ou encore d&#8217;effets de bruitage. Maints d\u00e9calages volontaires sont intervenus par rapport \u00e0 la partie vocale, offrant des progressions harmoniques tendues ou, comme l&#8217;ont plus clairement d\u00e9montr\u00e9 les derniers titres du cycle, des chevauchements rythmiques d&#8217;une complexit\u00e9 croissante.<br \/>\nUne telle richesse d&#8217;\u00e9criture n&#8217;a certes pas facilit\u00e9 la Liche de Julian Pr\u00e9gardien, qui s&#8217;est adapt\u00e9 sans h\u00e9siter aux exigences de la partition et de la mise en sc\u00e8ne, d\u00e9ployant des ressources vocales et physiques remarquables. B\u00e9n\u00e9ficiant d&#8217;une excellente pr\u00e9sence sc\u00e9nique, le soliste<br \/>\na ex\u00e9cut\u00e9 un tour de force impressionnant et a pleinement con-vaincu le public. Si la superposition des nombreux instruments a parfois alourdi la texture orchestrale et malmen\u00e9 l&#8217;\u00e9quilibre entre la partie soliste et l&#8217;accompagnement, le chanteur a habilement profit\u00e9 des passages plus doux pour permettre \u00e0 sa sensibilit\u00e9 d&#8217;illuminer tel ou tel d\u00e9tail, d\u00e9montrant un sens du style certain et offrant des changements d&#8217;atmosph\u00e8re aussi raffin\u00e9s qu&#8217;\u00e9mouvants.<br \/>\nUne mise en sc\u00e8ne inspir\u00e9e, sign\u00e9e Jasmina Hadziahmetovic, a permis aux spectateurs d&#8217;appr\u00e9cier pleinement le discours musical et de se plonger sans effort dans les multiples univers visuels \u00e9voluant \u00e0 un rythme organique. D\u00e9laissant volontairement toute superposition ou surcharge inutiles, les nombreux encha\u00eenements se sont d\u00e9roul\u00e9s sans heurts et, bien que fortement contrast\u00e9s, n&#8217;ont jamais sembl\u00e9 agressifs. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(B\u00fchnen- und Kost\u00fcmbild) Eine komponierte Interpretation von Hans Zender, Musikalische Leitung: Robert Reimer Inszenierung: Jasmina Hadziahmetovic, Video: Frieder Aurin Grand Th\u00e9\u00e2tre Luxemburg Premiere: 19.01.2016<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/538"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=538"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/538\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=538"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=538"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=538"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}<!-- WP Super Cache is installed but broken. 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