{"id":462,"date":"2014-07-02T12:23:42","date_gmt":"2014-07-02T10:23:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?p=462"},"modified":"2015-07-17T22:55:49","modified_gmt":"2015-07-17T20:55:49","slug":"odipus-stadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?p=462","title":{"rendered":"\u00d6dipus Stadt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=515\" rel=\"attachment wp-att-515\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/\u00f6dipus-klein-neu.jpg\" alt=\"\" title=\"\u00f6dipus klein neu\" width=\"99\" height=\"132\" class=\"alignnone size-full wp-image-515\" \/><\/a><br \/>\n(B\u00fchnenbild)<br \/>\nSchauspiel von John von D\u00fcffel nach Sophokles, Euripides und Aischylos<br \/>\nRegie: Katja Langenbach, Kost\u00fcme: Petra Winterer, Musik: Roderik Vanderstraeten<br \/>\nTheater St.Gallen<br \/>\nPremiere: 28.05.2014<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=522\" rel=\"attachment wp-att-522\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-02.jpg\" alt=\"\" title=\"odi 02\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-522\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-02.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-02-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=523\" rel=\"attachment wp-att-523\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-03.jpg\" alt=\"\" title=\"odi 03\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-523\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-03.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-03-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=524\" rel=\"attachment wp-att-524\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-04.jpg\" alt=\"\" title=\"odi 04\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-524\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-04.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-04-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=525\" rel=\"attachment wp-att-525\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-05.jpg\" alt=\"\" title=\"odi 05\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-525\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-05.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-05-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=528\" rel=\"attachment wp-att-528\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-061.jpg\" alt=\"\" title=\"1.Hauptprobe &quot;\u00c3\u0096dipus Stadt&quot; am Theater St.Gallen, 20.5.2014\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-528\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-061.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-061-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=527\" rel=\"attachment wp-att-527\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-011.jpg\" alt=\"\" title=\"1.Hauptprobe &quot;\u00c3\u0096dipus Stadt&quot; am Theater St.Gallen, 20.5.2014\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-527\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-011.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/odi-011-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n<strong>S\u00fcdkurier<\/strong> 03.06.2014 von Peter E. Schaufelberger<br \/>\n<strong>Der  unentrinnbare Fluch einer  Familie <\/strong><\/p>\n<p>In einer \u00fcberaus dichten Inszenierung von Katja Langenbach zeigt das Theater St. Gallen John von D\u00fcffels Schauspiel \u201e\u00d6dipus Stadt\u201c.<br \/>\nEisentreppen, Gitterroste, R\u00f6hrengest\u00e4nge, sp\u00e4rliche, ebenfalls metallene M\u00f6blierung \u2013 das B\u00fchnenbild, das Hella Prokoph im Theater St. Gallen in die H\u00f6he wie in die Tiefe gebaut hat, ist in seiner K\u00e4lte und seinen labyrinthischen Verschachtelungen Abbild der menschlichen Verstrickungen in \u201e\u00d6dipus Stadt\u201c von John von D\u00fcffel. Vier griechische Trag\u00f6dien \u2013 zwei von Sophokles, je eine von Aischylos und Euripides \u2013 hat der Autor in seinem dreiaktigen Schauspiel konzentriert zur d\u00fcsteren Chronik eines fluchbeladenen Geschlechts \u2013 Sprachduktus und weitgehend die Versform wahrend, doch die weitl\u00e4ufig geschilderten Handlungsstr\u00e4nge verknappend; die oft ausgreifenden und von kaum mehr verst\u00e4ndlichen Verweisen auf damals gel\u00e4ufige Zusammenh\u00e4nge durchsetzten Kommentare des Chors hat von D\u00fcffel durchwegs gestrichen. <\/p>\n<p>Katja Langenbach nimmt einige Chortexte wieder auf, verfremdet gesprochen \u00fcber Mikrofone und von Roderik van der Straeten musikalisch getragen. Atempausen sind&#8217;s in der atemlosen Unerbittlichkeit, mit der sich die Verh\u00e4ngnisse jagen, Momente nur vor dem Einbrechen kommenden Unheils, das manchmal aus verhaltener Drohung heraus anschwillt, manchmal mit brutaler Direktheit die Menschen aufpeitscht \u2013 so etwa in der Auseinandersetzung zwischen den Br\u00fcdern Eteokles und Polyneikes, in welcher der \u00c4ltere jeden Satz, den er dem J\u00fcngeren entgegenschleudert, mit w\u00fcsten Trommelschl\u00e4gen markiert. Der Schrecken hat viele T\u00f6ne in dieser Inszenierung, welche die Texte genau aushorcht und mit allen Sinnen erfahrbar macht.<\/p>\n<p>Diese Vielt\u00f6nigkeit und Differenziertheit \u00fcbertr\u00e4gt sich auch aufs ganze Ensemble. Beklemmend, wie Oliver Losehand sich als \u00d6dipus hineinsteigert in den ungl\u00fccklichen K\u00f6nig, dem Schritt um Schritt die Wahrheit sich erschlie\u00dft, verz\u00f6gert immer wieder durch kleine Schimmer einer Hoffnung, dass die zu Gewissheiten sich verdichtenden Bruchst\u00fccke der Wahrheit doch nicht wahr sein k\u00f6nnten, bis schlie\u00dflich kein Zweifel mehr m\u00f6glich ist, das Entsetzliche sich erbarmungslos darstellt. Durchdringend sein Schreien, wenn das Blut aus seinen durch ein Tuch hindurch zerstochenen Augen quillt. Gespenstisch und doch be\u00e4ngstigend gegenw\u00e4rtig, wenn er sich stumm wieder einmischt sp\u00e4ter, seinem dunklen Verlies f\u00fcr kurze Zeit entweichend. <\/p>\n<p>Oder Christian Hettkamp als blinder Seher Teiresias, verwahrlost in seinem \u00c4u\u00dfern, das er selbst nicht zu sehen vermag. Gleichwohl ist er furchtloser Verk\u00fcnder dessen, was ihm ein Gott offenbart, obwohl er zur\u00fcckschreckt vor den Abgr\u00fcnden, die seine Botschaft aufrei\u00dft. Von beinah befremdlicher Korrektheit ist zun\u00e4chst Marcus Sch\u00e4fer als Kreon, ahnend mehr als wissend, bis er schlie\u00dflich sich selber aufschwingt zum Herrscher, selber sich f\u00e4ngt in Fallen der Macht und herrscherlicher \u00dcberheblichkeit und nicht mehr hinausfindet.<\/p>\n<p>Silvia Rhode als Iokaste, unwissende Mutter und Gattin des \u00d6dipus, m\u00fctterlich vermittelnd, doch dem Verh\u00e4ngnis ebenso ausgeliefert wie die andern Glieder der Familie. Eindringlich in ihrer Verschiedenheit auch Sven Gey als Eteokles und Julian Sigl als Polyneikes: kalt und herrisch der eine, \u00e4ltere, allein auf seinen Vorteil bedacht, entschieden in seinem Dr\u00e4ngen auf Einhaltung der zwischen den Br\u00fcdern getroffenen Abmachung auf j\u00e4hrlichen Wechsel der K\u00f6nigsw\u00fcrde der J\u00fcngere, weicher zwar in seinem Wesen, dennoch bereit, seine Anspr\u00fcche auch mit Waffengewalt durchzusetzen. Sigl, Gey und Hettkamp spielen zudem W\u00e4chter- und Botenrollen. <\/p>\n<p>Bleiben das Schwesternpaar Antigone (Danielle Green) und Ismene (Wendy Michelle G\u00fcntensperger) sowie Haimon (Luzian Hirzel), der mit Antigone verlobte Sohn Kreons. Unbeugsam die \u00e4ltere der beiden Schwestern, selbst um den Preis des Lebens entschlossen, Polyneikes Leichnam zu bestatten und sich damit dem strengen Befehl Kreons zu widersetzen, wonach nur dem ebenfalls im Bruderkampf gefallenen Eteokles ein ehrenvolles Begr\u00e4bnis zuteil werden soll.<br \/>\nWeicher, nachgiebiger erscheint Ismene, vereint zwar in der Trauer mit ihrer Schwester und im Tod sich ihr zugesellend, doch als Einzige hellsichtig genug, zu erkennen, dass aus dem Handeln Antigones nur weiteres Unheil entstehen w\u00fcrde. Haimon dagegen, in seiner Korrektheit scheinbar Abbild seines Vaters in j\u00fcngeren Jahren, entlarvt dessen selbstherrliches Gebaren und konfrontiert ihn mit dem Aufruhr im Volk; er geht mit Antigone und Ismene in den Tod und l\u00e4sst den K\u00f6nig in seinem Elend zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>St.Galler Tagblatt<\/strong> 30.05.14 von Valeria Heintges<br \/>\n<strong>Splatter, Aktion und Intrigen<\/strong> <\/p>\n<p>Besser als manche Familien-Polit-Serie: Im Theater St.Gallen inszeniert Katja Langenbach John van D\u00fcffels Antikenfassung \u201c\u00d6dipus Stadt\u201d rasant, einfallsreich und sehr genau auf einem imposanten Stahlger\u00fcst.<\/p>\n<p>Zu Beginn sind sie alle Kammerj\u00e4ger, r\u00e4uchern die Stadt aus, wollen das Ungeziefer mit Rauch und Spr\u00fchnebel vertreiben. Denn Theben wird von der Pest heimgesucht. Aber das \u00dcbel sitzt tiefer. Oder h\u00f6her: Auf dem K\u00f6nigsthron n\u00e4mlich, wo \u00d6dipus herrscht, seit er lokaste heiratete. Mit \u00d6dipus kam das verfluchte Geschlecht der Labdakiden nach Theben; \u00d6dipus zeugte vier Kinder und gemeinsam werden Vater, S\u00f6hne und T\u00f6chter die Stadt in den Ruin reiten.<\/p>\n<p>Vier Dramen in einem<br \/>\nSo jedenfalls will es die antike Mythologie, so wollen es die fr\u00fchesten Dramatiker Aischylos, Sophokles und Euripides. Vier ihrer Dramen hat der Dramaturg und Buchautor John von D\u00fcffel in eine einzige Fassung gebracht, die am Mittwochabend im Theater St. Gallen ihre Schweizer Erstauff\u00fchrung erlebte.<br \/>\nNicht mehr \u00d6dipus oder seine S\u00f6hne Eteokles und Polyneikes oder seine T\u00f6chter Antigone und Ismene stehen bei John von D\u00fcffel einzeln im Fokus. Vielmehr wird an einem Abend die Geschichte einer Familie erz\u00e4hlt, die sich von Generation zu Generation tiefer ins Ungl\u00fcck bringt   und doch auch immer wieder Menschen mit Charakter hervorbringt, mit Ecken und Kanten, stolz, hochm\u00fctig, aber auch schlau und mutig. <\/p>\n<p>Rasante Aufstiege und Abst\u00fcrze<br \/>\nIn St. Gallen hat B\u00fchnenbildnerin Hella Prokoph f\u00fcr Regisseurin Katja Langenbach ein imponierendes, dreist\u00f6ckiges Stahlger\u00fcst auf die B\u00fchne ge\u00acstellt, in dem die Aufstiege und die Abst\u00fcrze der Menschen sinnf\u00e4llig gezeigt werden k\u00f6nnen  und das sich gleichzeitig mit Leitern, Treppen und sogar einer Dusche als sehr gut bespielbar erweist. Inklusive ebenfalls dreist\u00f6ckigem Etagenbett und einem Schlagzeug, das gelegentlich \u00fcbel maltr\u00e4tiert wird und als Wutventil dient, gibt das schnelle Auftritte. Die verleihen dem ohnehin sehr gestrafften Text Tempo und lassen ihn  trotz drei Stunden Spiell\u00e4nge inclusive Pause nie langweilig werden.<br \/>\nRegisseurin Langenbach f\u00fchrt ihre Schauspieler streng und genau durch das Geschehen: Oliver Losehand ist \u00d6dipus, der nach und nach feststellen muss, dass sich das Orakel bewahrheitet hat, das ihm den Mord an dem Vater und die Ehe mit der Mutter voraussagte. Zun\u00e4chst ist er unwissend, aber dann d\u00e4mmert ihm das Ausmass des Schreckens   und Losehand wird vom arroganten Machthaber zum verzweifelten Wahnsinnigen.<\/p>\n<p>Der Fels in der Brandung<br \/>\nSilvia Rhode stellt als lokaste dem die geerdete, realistische Frau und Mutter gegen\u00fcber, die als Fels in der Brandung immer wieder Streit zu schlichten ver\u00acsucht. Langsam verliert auch sie ihre Kraft: Der Gatte ein M\u00f6rder, die Kinder seine Geschwister. Als sich im zweiten Teil ihre S\u00f6hne Eteokles und Polyneikes aus reiner Gier um die Macht streiten, versucht sie wieder, jetzt nicht mehr in K\u00f6niginnenrobe sondern im Kriegsmantel, zu schlichten. Doch die Brut ist besessen: Als Eteokles und Polyneikes ihre Heere aufeinanderhetzen und dann als alles schon vorbei sein k\u00f6nnte   sich gegenseitig im Duell umbringen, sieht die Mutter die L\u00f6sung nur noch im Selbstmord.<br \/>\nUnd zwischen all dem ist Kreon, Iokastes Bruder. Petra Winterer hat Marcus Sch\u00e4fer in einen Anzug mit Krawatte gesteckt. Denn er ist der Organisator, der Verwalter, der Strippenzieher, derjenige, der sich nicht die Finger dreckig machen will und doch Unheil stiftet.<\/p>\n<p>Der perfekte Vollblutpolitiker<br \/>\nAls ihm der Seher Teiresias (Christian Hettkamp als Guru mit Gummik\u00f6rper) offenbart, dass nur der Tod des eigenen Sohnes die Stadt retten kann, sackt sein K\u00f6rper kurz zusammen. Typische Kreon L\u00f6sung: Der Sohn muss fliehen. Als Menoikeus dennoch tot vor ihm liegt, weil er selbst Opfer sein wollte, scheint Kreon gebrochen. Aber nein: Schon den Tod von Eteokles, Polyneikes und Iokaste nimmt er nur mit einem staubtrockenen \u00abJa, schrecklich\u00bb entgegen bindet sich die Kette des Herrschers um und schwingt eine Seifenblasen Rede ans Volk. L\u00e4ngst ganz der perfekte Vollblutpolitiker.<\/p>\n<p>Machtgier gegen echten Mut<br \/>\nF\u00fcr die Macht geht er \u00fcber Leichen. Antigone will beide Br\u00fcder bestatten &#8211; denn nur so k\u00f6nnen sie in die Totenwelt gelangen. Kreon verbietet ihr das f\u00fcr Polyneikes. Im dritten Teil, dem Antigone Drama, krachen mit Kreon und einer wunderbar frisch und glaubhaft wirkenden Danielle Green als Antigone kalte Machtgier und schiere Lebenslust, gepaart mit echtem Mut, aufeinander. Kurzfristig gewinnt die Macht. Doch dann tauchen die Geister der Vergangenheit wieder auf.<br \/>\nEin Abend, spannend wie ein Krimi, der jede Familien Politserie an Action und Splatter Elementen \u00fcbertrifft. Das Publikum zeigte sich sehr beeindruckt.<\/p>\n<p><strong>sda <\/strong>29.05.2014 von Silvia Minder<br \/>\n<strong>Blutspur als roter Faden durch &#8222;\u00d6dipus Stadt&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Schweizer Erstauff\u00fchrung am Theater St. Gallen<br \/>\nWie ein roter Faden zieht sich eine Blutspur durch &#8222;\u00d6dipus Stadt&#8220;. So tragisch die Geschichte aus der griechischen Mythologie, so begeistert zeigten sich die G\u00e4ste an der Schweizer Erstauff\u00fchrung am Mittwoch im Theater St. Gallen.<br \/>\nJohn von D\u00fcffel hat in seiner modernen Bearbeitung die Trag\u00f6dien der grossen drei antiken Schriftsteller Sophokles, Euripides und Aischylos zusammengefasst. Der 1966 geborene Dramaturg und Autor macht aus dem Mythos um K\u00f6nig \u00d6dipus und seine Kinder eine Familiensage.<br \/>\nDie Theben Trilogie, wie der Autor sie nennt, ist zwar eine blutr\u00fcnstige, in ihrer Aussagekraft jedoch aktuelle Geschichte. Dies unterstreicht Katja Langenbach in der Schweizer Erstauff\u00fchrung am Theater St. Gallen mit einer modernen Kulisse aus Metallgest\u00e4ngen. Die in kaltes Licht getauchte Szenerie l\u00e4sst das Haus der Herrscherfamilie wie ein Gef\u00e4ngnis erscheinen. Denn \u00d6dipus (Oliver Losehand) ist in seinem Schicksal gefangen. Wie vom Orakel vorausgesagt erschl\u00e4gt er den eigenen Vater und zeugt mit seiner Mutter lokaste (Silvia Rhode) vier Kinder. Als er die Tragik des Vatermordes und Inzests erkennt, blendet er sich und \u00fcberl\u00e4sst die Herrschaft seinem Schwager Kreon (Marcus Sch\u00e4fer).<br \/>\nKreon beherrscht die Stadt und die Familie mit eiserner Faust und erbittet die Hilfe des Sehers Teiresias (Christian Hettkamp). Doch Teiresias sieht eine d\u00fcstere Zukunft voraus. \u00d6dipus ist mit dem Fluch der G\u00f6tter behaftet. Weder er noch die Seinen entgehen ihrem Schicksal.<\/p>\n<p>Dem Untergang geweiht<br \/>\n\u00d6dipus&#8216; S\u00f6hne Eteokles (Sven Gey) und Polyneikes (Julian Sigi) t\u00f6ten sich gegenseitig. Ihre Schwestern Antigone (Danielle Green) und Ismene (Wendy Michelle G\u00fcntensperger) st\u00fcrzen sich ins Verderben. Am Ende ist \u00d6dipus Stadt dem Untergang geweiht. Wie schon bei den &#8222;Buddenbrooks&#8220;, die 2009 am Theater St. Gallen inszeniert wurden, erz\u00e4hlt D\u00fcffel auch diesmal eine Familiengeschichte. Es geht um Liebe und Rivalit\u00e4t, um Macht und Ohnmacht. Am Ende zerst\u00f6rt die Herrscherfamilie von Theben sich selbst und ihr ganzes Reich. Sie ist belegt mit einem Familienfluch, dem keiner entkommt.<\/p>\n<p>Eine ganz normale Familie<br \/>\nDass \u00d6dipus&#8216; Familie auch eine ganz normale Familie ist, zeigt Regisseurin Katja Langenbach mit witzigen Details. Schliesslich braucht auch ein K\u00f6nig K\u00f6rperpflege. Also geht \u00d6dipus unter die Dusche und zwar nackt, was bei den Premiereg\u00e4sten f\u00fcr einiges Schmunzeln sorgte. In einer andern Szene versucht lokaste die streitenden Br\u00fcder zu vers\u00f6hnen und steckt jedem einen Beutel Limonade der Marke &#8222;Capri Sonne&#8220; zu.<\/p>\n<p>Schr\u00e4ge T\u00f6ne<br \/>\nDie Kombination von klassischen Texten mit moderner Technik ist reizvoll, zumal die schauspielerische Leistung jederzeit tadellos ist. Doch wird der Klangteppich zeitweise etwas anstrengend. Einige Protagonisten lassen ihren ganzen Frust an der E Gitarre oder am Schlagzeug aus und produzieren so schr\u00e4ge T\u00f6ne, dass sich manche Zuschauerin und mancher Zuschauer am liebsten die Ohren zuhalten w\u00fcrden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(B\u00fchnenbild) Schauspiel von John von D\u00fcffel nach Sophokles, Euripides und Aischylos Regie: Katja Langenbach, Kost\u00fcme: Petra Winterer, Musik: Roderik Vanderstraeten Theater St.Gallen Premiere: 28.05.2014<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/462"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=462"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/462\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=462"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=462"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}<!-- WP Super Cache is installed but broken. The path to wp-cache-phase1.php in wp-content/advanced-cache.php must be fixed! -->