{"id":287,"date":"2011-06-18T12:28:26","date_gmt":"2011-06-18T10:28:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?p=287"},"modified":"2021-07-08T12:34:43","modified_gmt":"2021-07-08T10:34:43","slug":"lulu-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?p=287","title":{"rendered":"Lulu"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=328\" rel=\"attachment wp-att-328\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-klein-neu.jpg\" alt=\"\" title=\"Lulu klein neu\" width=\"99\" height=\"132\" class=\"alignnone size-full wp-image-328\" \/><\/a><br \/>\n(B\u00fchne)<br \/>\nOper in zwei Akten mit Variationen und Adagio von Alban Berg<br \/>\nMusikalische Leitung: Karl-Heinz Steffens, Regie: Jasmina Had\u017eiahmetovi\u0107<br \/>\nKost\u00fcme: Mechthild Feuerstein<br \/>\nDramaturgie: Ingo Gerlach<br \/>\nOper Halle<br \/>\nPremiere: 06.02.2011<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=316\" rel=\"attachment wp-att-316\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-14.jpg\" alt=\"\" title=\"Lulu 14\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-316\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-14.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-14-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=317\" rel=\"attachment wp-att-317\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-15.jpg\" alt=\"\" title=\"Lulu 15\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-317\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-15.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-15-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=319\" rel=\"attachment wp-att-319\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-17.jpg\" alt=\"\" title=\"Lulu 17\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-319\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-17.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-17-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=318\" rel=\"attachment wp-att-318\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-16.jpg\" alt=\"\" title=\"Lulu 16\" width=\"402\" height=\"264\" class=\"alignnone size-full wp-image-318\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-16.jpg 402w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-16-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=314\" rel=\"attachment wp-att-314\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-22.jpg\" alt=\"\" title=\"Lulu 22\" width=\"264\" height=\"402\" class=\"alignnone size-full wp-image-314\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-22.jpg 264w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-22-175x267.jpg 175w\" sizes=\"(max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=313\" rel=\"attachment wp-att-313\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-11.jpg\" alt=\"\" title=\"Lulu 11\" width=\"264\" height=\"402\" class=\"alignnone size-full wp-image-313\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-11.jpg 264w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-11-175x267.jpg 175w\" sizes=\"(max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/?attachment_id=315\" rel=\"attachment wp-att-315\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-13.jpg\" alt=\"\" title=\"Lulu 13\" width=\"264\" height=\"402\" class=\"alignnone size-full wp-image-315\" srcset=\"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-13.jpg 264w, http:\/\/www.hellaprokoph.de\/wp-content\/uploads\/Lulu-13-175x267.jpg 175w\" sizes=\"(max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><\/a><\/a><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>MZ <\/strong> 07.02.2011, von Andreas Hillger<\/p>\n<p><strong>H\u00e4utungen einer Schlange<\/strong><br \/>\nMit Alban Bergs ,,Lulu&#8220; bekennt sich Halle zum Geist der Klassischen Moderne. Jasmina Hadziahmetovics Inszenierung \u00fcberzeugt durch die musikalische Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Menagerie ist gut gef\u00fcllt: Da zeigt ein Tiger seine Z\u00e4hne und ein B\u00e4r seine Klauen, da rei\u00dft ein Krokodil sein Maul auf und ein Affe rollt mit den Augen. Die beste aller Bestien aber bleibt zun\u00e4chst unscheinbar. Erst in ihren H\u00e4utungen wird die Schlange die t\u00f6dliche Kraft ihrer Verf\u00fchrung entfalten &#8211; als P\u00fcppchen und als Nixe, als Vamp und als Sterbende. Und ihre Namen werden dabei so vielf\u00e4ltig sein wie ihre Erscheinungen. Die von ihrem s\u00fc\u00dfen Gift bet\u00e4ubten M\u00e4nner haben sie Eva genannt, Mignon und Nelly. Nun aber hei\u00dft und ist sie: Lulu! Den Skandal, den Frank Wedekind einst mit seinem Erdgeist&#8220; und mit der B\u00fcchse der Pandora&#8220; ausl\u00f6sen konnte, betrachtet man auch in Alban Bergs Opern-Adaption heute aus historischer Distanz. Die Spielformen der Liebe und des Begehrens sind l\u00e4ngst allgegenw\u00e4rtig, gleichgeschlechtliche Paare finden sich im Themenkatalog der Mediengesellschaft ebenso wie sadomasochistische Neigungen. Die emotionale Not aber, der Schmerz der Verweigerung und die Lust der Hingabe sind in Bergs Musik noch immer aufgehoben. Und diese Qualit\u00e4t ist es auch, die nun die Inszenierung von Jasmina Hadziahmetovic an der Oper Halle zu einem Ereignis macht.<br \/>\nIm B\u00fchnenbild von Hella Prokoph und in den Kost\u00fcmen von Mechthild Feuerstein betont die Regisseurin den Modellcharakter des Spiels: Der Menagerie-K\u00e4fig wird als Ort des Geschehens festgeschrieben, lediglich wechselnde Horizonte und ge\u00f6ffnete Gitter-Segmente markieren Schaupl\u00e4tze und Fluchtwege. Zudem wird das gesamte Personal im Bewusstsein der Szene gehalten: Die Opfer m\u00f6blieren sich ihren Richtplatz selbst, sie spannen die Leinwand f\u00fcr das Schattenspiel ihrer Leidenschaften und erstehen aus ihren Gr\u00e4bern auf. So flirtet Lulu nicht nur mit den Lebenden, sie tanzt sp\u00e4ter auch mit den Untoten. All die erregende Abwechslung aber, die sie bei ihren Partnern sucht, entpuppt sich dabei als Wiederkehr des immer Gleichen. Anke Berndt rechtfertigt diese offene, desillusionierende Lesart, weil sie die Verwandlungen vor aller Augen selbstbewusst und ohne falsche Scham vollzieht: Sie macht den K\u00e4fig zur Garderobe, wechselt mit den M\u00e4nnern auch ihre Kleider und Per\u00fccken &#8211; und wirkt gerade darum f\u00fcr alle K\u00e4mpfe gewappnet, weil sie sich jede Bl\u00f6\u00dfe gibt. Vor allem aber erf\u00fcllt sie stimmlich jede Erwartung, die man an ihre gro\u00dfe Partie stellen muss: Diese Lulu kann verf\u00fchrerisch zart und hysterisch hart sein, sie kann in h\u00f6chster Lage schmeicheln und keifen und jedem Liebhaber ein perfektes Gegen\u00fcber bieten. Und dies bleibt ja Bedingung der himmelschreienden H\u00f6llenfahrt: dass die Frau als Projektionsfl\u00e4che dient, in der M\u00e4nner zun\u00e4chst ihre geheimsten W\u00fcnsche und dann ihre eigene Ohnmacht erkennen.<\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen als Spielzeug<\/p>\n<p>Der Dompteur, der Lulu am l\u00e4ngsten im Zaum hielt, findet schlie\u00dflich auch das schrecklichste Ende: Gerd Vogel spielt und singt den Journalisten Doktor Sch\u00f6n als machtbewussten Mann, der sich das M\u00e4dchen als Spielzeug gez\u00fcchtet hat und sich schon bald in den F\u00e4den seiner Marionette verf\u00e4ngt. Zweimal hat er sie verheiratet, um seiner heimlichen Geliebten einen b\u00fcrgerlichen Status zu verschaffen &#8211; nun st\u00fclpt sie ihm den Brautschleier \u00fcber, um ihre eigenen Aff\u00e4ren hinter der Fassade seines guten Rufes zu verbergen. Vogels Wechsel zwischen seri\u00f6ser Selbstbehauptung und offener Verzweiflung macht die Begegnungen dieses Paares zu fatalistischen H\u00f6hepunkten, an denen sich auch Lulus Ehe-Episoden mit dem Medizinalrat (Asgeir Pall Ag\u00fcstsson) und dem Maler (Michael Smallwood) messen lassen m\u00fcssen. Einen besonderen Akzent setzt Sch\u00f6ns Sohn AIwa, dem Ralph Ertel neben der Gewissensnot auch die selbstironischen Reflexionen eines Komponisten \u00fcber Gr\u00f6\u00dfe und Grenzen des eigenen Handwerks abgewinnt. Als Spielmacher in der Doppelfunktion des Menageriedirektors und des alten Weggef\u00e4hrten Schigolch setzt Christoph Stegemann zudem diabolische Akzente, in kleineren Partien verst\u00e4rken Sandra Maxheimer, Ki-Hyun Park und Nils Giesecke den hervorragenden Gesamteindruck des halleschen Solisten-Ensembles.<br \/>\nDas letzte &#8211; und anr\u00fchrendste &#8211; Wort aber hat die lesbische Gr\u00e4fin Geschwitz: Aus der H\u00f6he des ersten Rangs beschw\u00f6rt Ulrike Schneider mit der wunderbaren Artikulation einer erfahrenen Oratorien-S\u00e4ngerin noch einmal den\u201eEngel&#8220; Lulu  und liefert damit zugleich die Begr\u00fcndung f\u00fcr das lange, stumme Finale. Berg hatte die Arbeit an der Oper 1935 unterbrochen, um nach dem Tod von Manon Gropius sein Violinkonzert \u201eDem Andenken eines Engels&#8220; zu schreiben &#8211; und war dann selbst gestorben, ohne das Werk f\u00fcr das Musiktheater vollenden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Expressionistische Schraffur<\/p>\n<p>Dass man in Halle nun nicht die nachtr\u00e4glichen Rekonstruktionen, sondern die Fassung letzter Hand zu h\u00f6ren bekommt, f\u00fchrt die Staatskapelle unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Karl-Heinz Steffens deutlich vor Augen: Nach all den dicht gedr\u00e4ngten Erregungskurven, der permanenten Nervosit\u00e4t und den alarmierenden Akzenten der ersten Akte bleibt das Finale pastoser &#8211; so, als warte die grundierte Fl\u00e4che noch auf ihre expressionistische Schraffur. Und doch flie\u00dfen im pantomimisch gef\u00fcllten Ende, in dem Jasmina Hadziahmetovic noch einmal den pr\u00e4zise berechneten Vorrat ihrer Zeichen ausbreitet, die ganze Trag\u00f6die der Lulu und die schreckliche Sch\u00f6nheit dieses Abends zusammen &#8211; als verhallender Klang, in dem ungez\u00e4hlte Einzelstimmen zur Ruhe kommen.<\/p>\n<p><strong>Orpheus <\/strong>, M\u00e4rz\/April, von Herbert Henning <\/p>\n<p><strong>Frau ohne Eigenschaften<\/strong><\/p>\n<p>Am Opernhaus hatte zum ersten Mal mit Bergs LULU eine Oper der Klassischen Moderne Premiere. Die Inszenierung von JASMINA HADZIAHMETOVICS wurde nicht nur zu einem Triumph des Musikalischen dank KARL-HEINZ STEFFENS und der Staatskapelle sowie eines exzellenten Solistenensembles. Die Konzeption der jungen Regisseurin, die sich f\u00fcr die von Berg vollendete zweiaktige Fassung (ohne den nachtr\u00e4glich eingef\u00fcgten Tod von Lulu) entschieden hat, bringt im Vergleich zur g\u00e4ngigen Auff\u00fchrungspraxis eine andere Sicht auf Lulu. Nicht M\u00e4nner mordende femme fatale, sondern eine Frau als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr M\u00e4nnerfantasien, als obskures Objekt von Lust und Begierde, als eine puppenhafte &#8222;Frau ohne Gesicht&#8220;, die sich immer wieder wie eine Schlange h\u00e4utet und dabei Tod und Verderben bringt, ist dieses Gesch\u00f6pf. In<br \/>\nder Interpretation durch die famos singende, in der H\u00f6he sichere und im Spiel zwischen Naivit\u00e4t und Skrupellosigkeit balancierende ANKE BERNDT ist diese Lulu ungemein \u00fcberzeugend. Sie wird von ihren Liebhabern Nelly, Eva, Mignon und schlie\u00dflich Lulu genannt und ist alles andere als ein Vamp oder Lolita. Sie ist so, wie sie die M\u00e4nner sehen wollen, und sie staffieren sie wie eine Schaufensterpuppe auch so aus. Jeder von ihnen bringt ihr wie eine neue Haut das Kleid mit, und sie ver-wandelt sich bei dem Maler Schwarz (MICHAEL SMALLWOOD) in ein kindlich-naives Modell und dann in ein nixenhaftes Wesen. Dr. Sch\u00f6n und sein Sohn Alwa (mit starker stimmlicher und darstellerischer Pr\u00e4senz GERD VOGEL und RALPH ERTEL) verwandeln sie in eine geheimnisvolle Nachtclub-Sch\u00f6nheit im schwarzen Glitzerkleid.<br \/>\nWenn Gr\u00e4fin Geschwitz (fulminant besetzt durch ULRIKE SCHNEIDER) ins Spiel kommt, wird Lulu zum androgynen Mann-Weib. Den Rahmen dieser intelligenten Inszenierung bildet ein K\u00e4fig, in dem alle Beteiligten in den Masken von Tieren erscheinen (Ausstattung: HELLA PROKOPH\/ MECHTHILD FEUERSTEIN)  Tiger, B\u00e4r, Geier, Affe, Krokodil und Lulu als Schlange. Schigolch\/Tierb\u00e4ndiger, eindrucksvoll gespielt von CHRISTOPH STEGEMANN, ist der Spielmacher, f\u00fchrt Lulu durchs Leben, begleitet ihren Aufstieg und Verfall, tr\u00e4gt ihr die Kleider nach.<br \/>\nExpressionistische Leidenschaft lodert aus dem Orchestergraben. Die Staatskapelle bleibt der in flirrenden Klangfarben komponierten Oper musikalisch nichts schuldig, meistert die Balance zwischen den unterschiedlichen musikalischen Formen mit differenzierter Klangsch\u00f6nheit.<\/p>\n<p><strong>MDR-Figaro<\/strong>, Fr\u00fchkritik, 07.02.2011, von Dieter David Scholz<\/p>\n<p><strong>Alban Bergs: ,,Lulu&#8220; im Opernhaus Halle<\/strong> <\/p>\n<p>Warum hat sich die Regisseurin Jasmina Hadziahmetovic f\u00fcr die zweiaktige Fassung der Oper entschieden, wo es doch inzwischen mehrere Rekonstruktionen des dritten Aktes gibt?<\/p>\n<p>Nun, ich denke ihr Hauptargument f\u00fcr diese Entscheidung, nicht den nachtr\u00e4glich vollendeten dritten Akt &#8211; weder in der Fassung von Friedrich Cerha, noch in der von Eberhard Kloke zu spielen, ist ein konzeptionelles. Sie will die zweiaktige Fassung spielen, die ja mit der Ermordung von Dr. Sch\u00f6n, ihrem ersten Mann, endet und nicht, wie der dritte Akt mit dem Mord an Lulu. Lulu ist f\u00fcr Jasmina Hadziahmetovic nicht die femme fatale, nicht die mordende Schlange, die am Ende selbst gemordet wird, sie will die meist gezeigte Geschichte vom Aufstieg und Fall einer skrupellosen Frau nicht noch einmal erz\u00e4hlen. Sondern sie will eher die Vorurteile und Auff\u00fchrungskonventionen dieser Oper infrage stellen.<\/p>\n<p> &#8222;Lulu&#8220; ist also in der Inszenierung von Jasmina Hadziahmetovic keine Femme fatale, nicht die mordende Schlange, die am Ende selbst gemordet wird? Als was aber wird sie denn dann dargestellt?<\/p>\n<p>Lulu ist bei Jasmina Hadziahmetovic keine Lolita, kein Vamp, keine Sexbombe. Und schon gar keine kindhaft-erotisch naive Verk\u00f6rperung der ewigen Lust. Sie ist eher die Inkarnation m\u00e4nnlicher Phantasien. Jeder ihrer M\u00e4nner bringt denn auch die eigene Dekoration mit, um den K\u00e4fig der Begierde, den Hella Prokoph gebaut hat, mit seinem Wunschszenario auszustaffieren. Und im Wechselspiel zwischen Gier und Lust, Schw\u00e4che und Abh\u00e4ngigkeit, Suchen und Scheitern, ja zerbrechlicher Menschlichkeit und roher tierischer Triebhaftigkeit ist Lulu eigentlich eine Frau ohne Eigenschaften. Insofern ist diese Frau mit Anke Berndt ideal besetzt, weil sie der soubrettenquietschige Typ &#8222;eiskalte Sekret\u00e4rin&#8220; ist. Und nicht der einer vor Lust explodierenden, m\u00e4nnerverschlingenden, unwiderstehlichen Sch\u00f6nheit. Im Gegenteil, wenn Anke Berndt immer wieder im fleischfarbenen Nackttrikot vor aller Augen theatralische Theater-Kost\u00fcme wechseln muss, ist das eher grotesk als erotisch. Begierde &#8211; so will uns die Regisseurin zeigen &#8211; ist reine Phantasie, nichts als grausames Spiel. Deshalb l\u00e4sst sie das St\u00fcck auch in einem gro\u00dfen K\u00e4fig spielen. Zu Beginn und auch am Ende tragen alle Personen Tiermasken. Der Tierb\u00e4ndiger f\u00fchrt als Konf\u00e9rencier und Spielleiter durch das St\u00fcck. Er stellt alle Charaktere mit ihren tierischen Entsprechungen vor, M\u00e4nner wie Frauen. Eine bei\u00dfende Parabel. Der Mensch ist und bleibt eben ein Tier. Und alles &#8222;eitle Streben ist ein Selbstbetrug&#8220;, um es mit Worten aus Brechts Dreigroschenoper zu sagen.<\/p>\n<p>Wie ist \u00fcbrige das Ensemble rund um die &#8222;Lulu&#8220;-S\u00e4ngerin und -Darstellerin Anke Berndt? Das St\u00fcck hat ja au\u00dfer ihr noch 16 weitere Rollen?<\/p>\n<p>Wobei ja einige S\u00e4nger in dieser Oper zwei Partien singen. Aber alle sind ausnahmslos gut besetzt worden. Eine tolle Ensembleleistung. \u00dcberwiegend hauseigene S\u00e4nger. Unter denen die Mezzosopranistin Ulrike Schneider als Gr\u00e4fin Geschwitz gewisserma\u00dfen eine Luxusbesetzung darstellt. Auch Gerd Vogel als Dr.Sch\u00f6n ist fabelhaft. Ebenso der neue lyrische Tenor Ralph ErtI in den Partien des AIwa und des Komponisten. Und auch der neue junge Bassist des Opernhauses Halle, Christoph Stegemann, ist als Schigolch und Tierb\u00e4ndiger ganz ausgezeichnet. Eine sehr respektable Besetzung!<\/p>\n<p>Karl-Heinz Steffens, der GMD der Staatskapelle Halle, hat selbst dirigiert. Kein leichtes St\u00fcck, auch musikalisch! Ist er mit der Inszenierung d&#8217;accord gegangen?<\/p>\n<p>Ja, ich finde schon, denn er hat den Spagat zwischen dem schneidenden Konversationsst\u00fcck und der fast mythischen Eros-Oper sehr \u00fcberzeugend bew\u00e4ltigt. Er wird der S\u00fc\u00dfe der Musik, die ja immer wieder neben serieller Spr\u00f6digkeit auch geradezu s\u00fcchtig machende, romantische Passagen enth\u00e4lt, gerecht, und h\u00e4lt doch gleichzeitig Distanz. So wie die Regisseurin zum St\u00fcck. Das geht gut zusammen. Und die Staatskapelle Halle spielt diese nerv\u00f6s-narkotische, sinnliche, erregte, aber auch sperrige Musik sehr pr\u00e4zise und klangsch\u00f6n. Ein auch musikalisch sehr guter Abend.<\/p>\n<p><strong>Opernwelt<\/strong>, April 2011, von Boris Kehrmann<\/p>\n<p><strong>Musizierendes Theater<\/strong><\/p>\n<p>Der H\u00f6hepunkt kam zum Schluss. So transparent, wie die Staatskapelle Halle unter Karl-Heinz Steffens die Variationen aus Alban Bergs \u00abLulu-Suite\u00bb musizierte, fiel einem unwillk\u00fcrlich Anton Weberns Diktum ein, in 50 Jahren w\u00fcrde jeder Postbote die Musik der Sch\u00f6nberg-Schule pfeifen. Zumindest konnte jeder musikalische H\u00f6rer die Metamorphosen des Wedekind&#8217;schen Lautenliedes \u00abKonfession\u00bb durch alle Stimmen und Klangfarben verfolgen, bevor Steffens das Adagio mit Mahler&#8217;schem Weltschmerz auflud. Die Oper Halle hatte sich in der hiesigen Erstauff\u00fchrung der \u00abLulu\u00bb klugerweise auf die zweiaktige Fragmentfassung beschr\u00e4nkt. Die ist durchaus abendf\u00fcllend und hat den Vorteil, weder Interpreten noch Publikum \u00fcber Geb\u00fchr zu erm\u00fcden. So folgt man gespannt bis zum Erde, das eben nicht in Lulus Tod bestehen muss Die kleine, 60 k\u00f6pfige Besetzung im tiefer als sonst herabgefahrenen Orchestergraben erlaubte den \u00fcberwiegend deutschsprachigen Solisten einen entspannten Parlando-Ton von ungew\u00f6hnlicher Textverst\u00e4ndlichkeit. Die differenzierte Sprachbehandlung Bergs vom gesprochenen Dialog \u00fcber das Sprechen in notierter Tonh\u00f6he bis zu den verschiedener Schattierungen des Gesangs trat deutlich hervor. Zumal Steffens ganz auf motivische Klarheit, Pr\u00e4gnanz der reichen Farbpalette Bergs und packend-dramatische Gestik setzte. Ein Gl\u00fccksfall musizierenden Theaters.<br \/>\nDie Inszenierung bebildert im ersten Akt eine These Ulrike Prokops, der zufolge Lulu\u00bb nicht psychologisierend die Beziehungsgeschichte einer realen Frau erz\u00e4hlt sondern die Frauenbilder ihrer M\u00e4nner Revue passieren l\u00e4sst. So erschien die Gattin Dr. Golls als Goldilocks mit dem l\u00fcsternen Medizinalratsb\u00e4ren (in Anspielung an Peter Zadeks ber\u00fchmte Schauspielinszenierung), die Gattin des Malers als BotticelIische Venus, die Vari\u00e9tet\u00e4nzerin mit dem riesigen Kopfschmuck der Berliner Haller-Revuen, die Luc Bondy bereits 1978 in Hamburg zitiert hatte, und die Gattin Dr. Sch\u00f6ns als Louise Brooks. Spannend versprach es im Finale des ersten Akts zu werden. Lulu zwang Dr. Sch\u00f6n nicht nur zum Verzicht auf seine Braut, sondern auch zum Geschlechterrollentausch. Ihre Worte \u00abDu hast mich ja gar nicht geheiratet. Ich habe dich geheiratet\u00bb bekamen neuen Sinn. Doch leider \u00fcbernahm sie in der Kriminalkom\u00f6die des zweiten Akts mit den Hosen nicht die F\u00fchrung. Jasmnina Hadziahmetovics Inszenierung wurde diffus, handwerklich fahrig, fl\u00fcchtete in Slapstick. Nicht ganz verst\u00e4ndlich wurde auch, warum das St\u00fcck wie bei Wieland Wagner 1966 in Stuttgart in einen Raubtierk\u00e4fig verlegt wurde und Lulus Liebhaberinnen und Liebhaber Tiermasken trugen. Bei Wagner (es existiert eine TV-Aufzeichnung) waren sie von ihren Trieben gehetzte Raubtiere in der Maske des B\u00fcrgers. Hadziahmetovic entsch\u00e4rfte den K\u00e4fig der L\u00fcste zu Theater auf dem Theater. Rollenspieler sind wir, m\u00fcde geworden in der ewigen Wiederkehr des vorhersehbar Gleichen. Keine besonders aufregende Einsicht.<\/p>\n<p>Anke Berndt gab eine h\u00f6hensichere Lulu mit etwas kehlig-qu\u00e4kendem Kindertimbre und gegen Ende hin nur angedeuteter Koloratur. Die Ten\u00f6re Michael Smallwood (Maler) und Ralph Ertel (Alwa) sangen stimmsch\u00f6n, phrasierten intelligent, hatten aber mit dem Kopfstimmregister Probleme, Der balsamische Mezzo Ulrike Schneiders stellte f\u00fcr die kleine Partie der Geschwitz eine Luxusbesetzung dar. Ki-Huyn Park war ein poltriger Rodrigo, Gerd Vogel ein Dr. Sch\u00f6n von eminenter B\u00fchnenpr\u00e4senz, Sandra Maxheimer ein blasser Gymnasiast. Nils Giesecke spielte den Prinzen kraft seines immer noch lyrischen Tamino-Tenors ins Naiv-Komische. Am st\u00e4rksten pr\u00e4gte sich der junge Christoph Stegemann mit profundem Bass und hintergr\u00fcndiger Textgestaltung als Tierb\u00e4ndiger und Schigolch ein. Letzterer war hier weniger der verkommene Pflegevater Lulus als vielmehr der aasig-smarte Spielmacher a la \u00abCabaret\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Die Rheinpfalz<\/strong> , 07.02.2011, von Frank Pommer<\/p>\n<p><strong>Lulu lebt<\/strong><\/p>\n<p>Staatsphilharmonie-Chef Karl-Heinz Steffens dirigiert die Berg-Oper in Halle<br \/>\nKarl-Heinz Steffens hat an seinem zweiten Dienstort Halle sein Opernrepertoire um die klassische Moderne erweitert: Am Samstagabend dirigierte er die Premiere von Alban Bergs ,,Lulu&#8220;.<br \/>\nDie gute Nachricht: Lulu lebt. Sie \u00fcberlebt. In Halle wird sie nicht von Jack the Ripper hingemetzelt. Karl- Heinz Steffens, sowohl Generalmusikdirektor der Oper Halle als auch der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, pr\u00e4sentiert nur jene Teile der Berg-Oper, die der Komponist selbst vollendet hat. Es fehlt der komplette dritte Akt, weder die Fassung von Friedrich Cerha noch jene erst k\u00fcrzlich uraufgef\u00fchrte von Eberhard Kloke ist zu h\u00f6ren. Berg pur. Auf das abschlie\u00dfende Liebesduett zwischen Lulu und Alwa folgen Variationen und Adagio. Dramaturgisch bleibt das Werk so ein Torso, der symmetrische Aufbau der Oper, den Berg beabsichtigt hatte, geht verloren. Aber das von einer Pantomime begleitete Nachspiel erm\u00f6glicht Steffens und der Staatskapelle Halle nochmals ein emphatisches Pl\u00e4doyer f\u00fcr diese grandiose Musik, die zu den einsamen H\u00f6hepunkten der Operngeschichte z\u00e4hlt.<br \/>\nDie Inszenierung der in Sarajevo geborenen Regisseurin Jasmina Hadziahmetovic spricht die angebliche m\u00e4nnermordende Femme fatale von jeder Schuld frei. Selbst den Mord an Dr. Sch\u00f6n scheint sie nicht wirklich<br \/>\nbegangen zu haben, im Tumult bleibt unklar, wer geschossen hat. Die Liebe zu Sch\u00f6n ist vielleicht ihre einzige Schuld. Bestimmt aber ihr einziger Fehler. Ansonsten ist sie ein Opfer &#8211; unserer schmutzigen Fantasie. Eine Projektionsfl\u00e4che. Fleischgewordener M\u00e4nnertraum eines jeden dieser unz\u00e4hligen Verehrer. Mal hei\u00dft sie Nelly, dann Eva, schlie\u00dflich Mignon. Und ist doch immer nur Lulu. Urweib. Darf nicht sie selbst sein. Wird ausgestellt wie ein wildes Tier. Eine Schlange unter wilden Tieren. Alle tragen sie in Prolog und Epilog Masken, alle sind sie vertiert. Kein Mensch, nirgends.<br \/>\nDie B\u00fchne von Hella Prokoph ist ein K\u00e4fig. Schigolch (Christoph Stegemann), Lulus Zuh\u00e4lter-Vater, ist hier auch der Tierb\u00e4ndiger und Zirkusdirektor des Vorspiels. Er ist Spielleiter der Zurschaustellung dieser Frau. Er ist T\u00e4ter. Er ist schuld &#8211; und nat\u00fcrlich auch wir. Voyeure allesamt, die wir in den Lulu-Zoo gehen, um das wilde Tier zu beobachten. Anke Berndt spielt diese Lulu ohne aggressive, offensive Erotik. Schutzbed\u00fcrftig wirkt sie, wenn sie zwischen den Bildern des ersten Aktes, entbl\u00f6\u00dft bis auf die Unterw\u00e4sche, neu eingekleidet wird f\u00fcr ihre n\u00e4chste Rolle, f\u00fcr den n\u00e4chsten Mann, die n\u00e4chste M\u00e4nnerfantasie. Zu Beginn wirkt ihre Stimme noch leicht fahrig, in der H\u00f6he spitz und schrill. Doch das legt sich im weiteren Verlauf des Abends, der schlie\u00dflich zum Triumph f\u00fcr die S\u00e4ngerin wird, die man in Ludwigshafen als Freia im ,,Rheingold&#8220; erleben konnte. Ohnehin stemmt die Oper Halle dieses zentrale Werk der Moderne allein mit eigenen Kr\u00e4ften, von denen die meisten auch in das ,,Ring&#8220;-Projekt mit Ludwigshafen eingebunden sind. Etwa auch die fantastisch singenden Ralph Ertel als Alwa und Gerd Vogel als Dr. Sch\u00f6n, die wir bereits als Mime beziehungsweise Albench kennen.<br \/>\nDie Staatskapelle Halle begeistert vor allem in den melosges\u00e4ttigten Passagen der Partitur, die so sehr nach Mahler klingen, dass es fast schon k\u00f6rperlich wehtut. Zu Beginn fehlt es dagegen etwas an Geschmeidigkeit und Leichtigkeit. Karl-Heinz Steffens agiert am Pult mit h\u00f6chster Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die vielen unterschiedlichen<br \/>\nKlangsph\u00e4ren dieser Musik. Es entsteht so ein ungemein lebendiges, packendes Musikdrama der Moderne.<br \/>\nWie gesagt: Lulu lebt.<\/p>\n<p>Inhalt der Oper: Sie geht \u00fcber Leichen<br \/>\nAlban Bergs Oper ,,Lulu&#8220; blieb ein Fragment. Der Komponist konnte von seinem letzten Werk, an dem er von 1928 bis zu seinem Tod 1935 arbeitete, nur die beiden ersten Akte vollenden. Die dreiaktige Version der Oper, die auf Frank Wedekinds Trag\u00f6dien ,,Erdgeist&#8220; und &#8222;Die B\u00fcchse der Pandora&#8220; zur\u00fcckgeht, wurde erst 1979 in Paris uraufgef\u00fchrt. Friedrich Cerha hatte das Fragment vervollst\u00e4ndigt. Mittlerweile gibt es auch einen dritten Akt, den der Dirigent Eberhard Kloke vervollst\u00e4ndigt hat.<br \/>\nFrank Wedekind wie Alban Berg erz\u00e4hlen die Geschichte eines m\u00e4nnermordenden Weibes, einer Femme fatale, die eine moderne Schwester der Carmen oder der Salome sein k\u00f6nnte. Sie braucht und verbraucht die M\u00e4nner, geht dabei \u00fcber Leichen: Ihren ersten Ehemann, einen Medizinalrat, trifft der Schlag, als er sie in flagranti mit dem Maler erwischt. Der Maler wiederum begeht Selbstmord, als er erf\u00e4hrt, dass Lulu ihn mit Doktor Sch\u00f6n betr\u00fcgt. Dieser ist Lulus Schicksal &#8211; und sie sein Tod. Doch in dem Moment, in dem sie ihn erschie\u00dft, beginnt auch ihr unaufhaltsamer Abstieg, der in Londons Gosse endet. Dorthin ist sie mit Sch\u00f6ns Sohn Alwa und Schigolch, ihrem Zuh\u00e4lter, der zugleich eine Art Vaterrolle \u00fcbernimmt, geflohen. Als Prostituierte wird sie ein Opfer von Jack the Ripper, der sie bestialisch ermordet. <\/p>\n<p><strong>Halle Forum.de <\/strong>, 26.02.2011 <\/p>\n<p><strong>Sie will doch nur spielen <\/strong><\/p>\n<p>Lulu &#8211; das ist eine M\u00e4nnerm\u00f6rderin, ein Vamp, eine Emanze. Eine Frau, die sich nimmt, was sie will. Ohne R\u00fccksicht auf irgendwas. Sie ist drei Mal verheiratet, drei Mal liiert, hat zig Aff\u00e4ren und G\u00f6nner. Da verliert man schnell die \u00dcbersicht. Eins aber haben alle M\u00e4nner in ihrer Umgebung gemein: V\u00f6llig selbstlos geben sie sich auf, um Lulu zu gewinnen. Ist sie dann in ihrem &#8222;Besitz&#8220;, interessiert sie kaum noch. Mann w\u00e4hnt sich sicher &#8211; dabei sucht Lulu schon langst nach einem neuen Opfer. Sie scheint nie zufrieden oder gar gl\u00fccklich zu sein. Sie ist gefangen in der Rolle der Begehrten. Sie kann und kennt nichts anderes.<\/p>\n<p>Im B\u00fchnenbild von Hella Prokoph wird das innere Gef\u00e4ngnis der Lulu deutlich. Ein gro\u00dfer Metallk\u00e4fig bestimmt die B\u00fchne in allen Szenen. Sie kann hier nicht entkommen, auch nicht als eine Krankheit sie k\u00f6rperlich ausgemergelt hat und nur noch die Gedanken an vergangene Zeiten Lulu h\u00fcbsch erscheinen lassen.<\/p>\n<p>Die Musik ist so modern und ernst, dass sie m\u00f6glicherweise mehr fesselt und emotionalisiert als eine klassische Oper a la Mozart. Die S\u00e4nger und S\u00e4ngerinnen und das Orchester unter der Leitung von Karl-Heinz Steffens und Michael Luig vollbringen eine gro\u00dfartige Leistung. Die arhythmischen und disharmonischen Kl\u00e4nge sind an Schwierigkeit im Zusammenspiel wohl kaum zu \u00fcberbieten.<br \/>\nDie Musikerlnnen spielen mit einer \u00dcberzeugung und Kraft, dass beim Publikum G\u00e4nsehaut zur\u00fcckbleibt. Besonders hervor stechen gesanglich Anke Berndt in der Rolle der Lulu und Ralph Ertel in der Rolle des Alwa Sch\u00f6n. Auch die schauspielerische Leistung ist au\u00dfergew\u00f6hnlich stark. Berndt gelingt es die Entwicklungen und Facetten der Lulu perfekt dazustehen.<br \/>\nAlban Berg lie\u00df sich durch Frank Wedekinds Trag\u00f6dien &#8222;Die B\u00fcchse der Pandora&#8220; und ,,Erdgeist&#8220;<br \/>\ninspirieren. In beiden damals verbotenen Theaterwerken ist Lulu die Hauptfigur.<br \/>\nLeider ist Bergs Oper ein Fragment geblieben. Er unterbrach zu Gunsten seines ber\u00fchmten Violinkonzerts &#8222;Dem Andenken eines Engels&#8220; die Arbeit an Lulu. Wegen einer t\u00f6dlichen Blutvergiftung konnte die Komposition von Lulu nicht beendet werden. Die Oper Halle f\u00fcgte an den dritten Akt rein instrumentale und schauspielerische Minuten aus Alban Bergs Lulu-Sinfonie an.<br \/>\nAuf den ersten Blick erscheint Jasmina Hadziahmetovics Inszenierung von Alban Bergs Oper wagemutig zu sein, auf den zweiten Blick ist es ein gro\u00dfartiger Einfall gewesen diese Komposition der besonderen Art auf die B\u00fchne zu bringen. Gro\u00dfe Emotionen einmal anders.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(B\u00fchne) Oper in zwei Akten mit Variationen und Adagio von Alban Berg Musikalische Leitung: Karl-Heinz Steffens, Regie: Jasmina Had\u017eiahmetovi\u0107 Kost\u00fcme: Mechthild Feuerstein Dramaturgie: Ingo Gerlach Oper Halle Premiere: 06.02.2011<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/287"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=287"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/287\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=287"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=287"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.hellaprokoph.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=287"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}<!-- WP Super Cache is installed but broken. 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